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Artikel

01. März 2010

Baba Marta ist da - das Tragen der Martenizi ist ein alter Brauch in Bulgarien

Wochen vor dem 1. Marz sind überall in Läden aber auch auf mobilen Ständen auf den Strassen in Städten und Dörfern Bulgariens die kleinen rot-weißen Anhänger (Martinizi) – Püppchen, Quasten oder Armbänder aus Stoff, Wolle oder Baumwollfäden zu bemerken. Die Bulgaren tragen die Martenizi auf ihrer Linken Seite des Körpers, am Hals oder am Handgelenk. Sie werden ebenfalls gern im ganzen Freundeskreis per Briefchen oder Postkarten verschickt. Dahinter steckt der alte Glauben, dass die rot-weißen Martenizi Baba Marta – der Personifizierung des Monats März in Gestalt einer alten unfreundlichen und launischen Oma – milde stimmen. Baba Marta soll ja nicht zornig werden und wieder die Kälte über das Land bringen.
Die rot-weißen Glücksbringer trägt man solange, bis man ein erstes Frühlingszeichen – einen Storch, eine Schwalbe oder einen blühenden Baum – gesehen hat. Dann hängt man die Martiniza in einen Baum (in manchen Gegenden stellt man die unter einem großen Stein) und wünscht sich die Verwirklichung eines Traums.

Das Tragen von Martenizi oder das Fest der Baba Marta (Oma März) am 1. März ist ein recht alter bulgarischer Brauch, der aus der Zeit vor dem 9. Jahrhundert stamt. Das Beschenken mit den so genannten Martenizi zum 1. März und der auf den 1. März folgenden Wochen, ist einer der beliebtesten Bräuche, wenn nicht sogar der beliebteste Brauch, in Bulgarien. Besonders bekannt unter den Martenizi sind die Figuren von Pijo und Penda. Die rote Puppe ist die männliche Puppe und heißt Pijo. Die weiße Puppe ist die weibliche und heißt Penda.

Durch das Tragen der rot-weißen Martinizi hofft man, dass der warme Frühling bald ins Land kommen wird. Außerdem haben die rot-weißen Fäden die Funktion eines Talismans gegen die bösen Kräfte. Alle Erwachsenen und Kinder beschenken sich gegenseitig mit Martinizi und schmücken sich damit. Rot steht im Volksglauben für Gesundheit und Kraft, Weiß für ein langes Leben.

“Baba Marta” ist eine volkstümliche, ausschmückende Umschreibung für den Monat März (deutsche Analogie: der Lenz oder die Figur von Frau Holle, die für Schnee sorgt). “Baba” heißt auf bulgarisch Oma. Auch die Begrüßung Tschestita Baba Marta (auf Deutsch: Glückliche Oma Marta) ist typisch für den Anfang März in Bulgarien.

Früher hat man auch Haustiere mit Martenizi geschmückt, damit sie gesund bleiben.
Als eher ironische Anlehnung an diesen Brauch ist die Redewendung entstanden:
Eine Schwalbe macht keinen Frühling.

Viele Legenden berichten über den Ursprung dieses bulgarischen Brauchs.
Da ist zum einen die Legende über Isperih, einem Vorfahren der Bulgaren, der auf der Suche nach Land in die Gegend der Slawen kam, wo er zwar freundlich aufgenommen wurde, jedoch Sehnsucht nach seiner Mutter und vor allem nach seiner Schwester Kalina hatte. Er setzt sich an ein Flussufer und betete um ein Wunder. Diese kam in Form einer Schwalbe, die auf seiner Schulter Platz nahm. Er erzählte ihr von seinem Heimweh und die Schwalbe flog zu Kalina, um ihr über Isperih zu berichten.
Als Gruß an ihren Bruder fertigte Kalina einen kleinen grünen Strauß an um den sie weiß-rote Wollefäden drehte und den die Schwalbe zu Isperih brachte. Seit dieser Zeit ist es üblich sich immer am 1. März eine Marteniza zu schenken.
Eine weitere Legende berichtet von einem bulgarischen König, der bevor er in den Krieg zog seiner Frau versprach eine Taube mit einem weißen Faden am Fuß zu schicken, wenn er siegen würden. Als der Winter zu Ende war sah sie endlich die Taube. Der weiße Faden war jedoch rot mit dem Blut des Königs gefärbt, der schwer verletzt, aber lebendig war.

Neben diesen traditionellen, also sehr alten, bulgarischen Erzählungen gibt es auch eine christliche nach der die Jungfrau Maria eine Streifen ihrer weißen Kleidung mit ihrem Blut färbte. Sie drehte dann den weißen und den roten Streifen zusammen und schmückte sich damit. Bei Sonnenaufgang verließ sie ihre Hütte, um allen von der bevor stehenden Geburt des Jesus zu erzählen. Kurz danach wurde Jesus geboren und seitdem schmücken in Bulgarien die Frauen ihre Kinder und Hautiere mit diesen Fäden, um Glück und Gesundheit zu erbitten !

23. Februar 2010

Kukeri - tradionelles Fest der Bulgaren

Ab dem 23 Februar werden die Kukeri-Tage in Bulgarien gefeiert. Das ist eins der buntesten und interessantesten Feste im bulgarischen traditionellen Kalender. Mit dem kommenden Frühling, wenn die Zeit für die Saat kommt, trifft man die Kukeri in Bulgarien.
An den Kukeri-Tagen ziehen tanzend maskierte Männer durch die Straßen der Städte und Dörfer des Landes. Die Masken der Kukeri sind schauderhaft. Diese Masken und Hütte (Gugli) werden meist aus Leder hergestellt und mit Fellen oder Federn, mit bunten Perlen und Wollfäden geschmückt. Jeder Kuker trägt Glocken am Körper, so dass wenn die Kukeri tanzen und springen einen ohrenbetäubenden Lärm entsteht. Die Kukeri gingen in alle Häuser des Ortes und brachten somit Gesundheit und Wohlergehen der Familie !
Die alten Bulgaren glaubten, dass dieses Ritual vor Tollwut schützt, dass alle bösen Geister abgeschreckt und für immer vertrieben werden, so dass die Ernte im Jahr üppig und gesund ausfällt.
Bilder des Festes und mehr über dieses Fest erfahren Sie unter:
http://www.public-republic.de/kukeri-teil-des-lebendigen-erbes-bulgariens.php

03. März 2009

Zum Nationalfeiertag Bulgariens - der Tag der Befreiung von der türkischen Herrschaft - Der Wein und eine neu gewonnene Freiheit!

Die Tradition der Weinherstellung blieb während der osmanischen Herrschaft auch dank den vielzähligen Klöstern erhalten, die das alte Kulturerbe hüteten und vor dem Zugriff der Unterdrücker bewahrten. So wurde eine alte Weinkultur noch aus der Zeit der alten Thraker von den strengen Normen des Islams bewahrt. Während der fast 500-jährigen osmanischen Unterdrückung wurden von den Türken in Bulgarien verstärkt Tafeltrauben angebaut, da der Koran den Moslems den Weingenuss verbietet.

Nach der Befreiung von den osmanischen Herrschaft (1877-1878) begann eine Blütezeit für die bulgarische Weinherstellung, die Rebfläche erreichte schnell 50.000 Hektar. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass noch bevor die Verfassung von Turnovo (die erste bulgarische Verfassung nach fast 500 Jahren türkische Herrschaft) abgestimmt wurde, im Jahre 1879 im soeben befreiten bulgarischen Staat schon ein Weingesetz erlassen wurde. Dies ist ein imposantes Zeugnis nicht nur für die Bedeutung von Weinbau und Weinerzeugung für Bulgarien, sondern auch für das starke Verlangen der Bulgaren, möglichst schnell der Wiederherstellung einer ungehinderten Weinwirtschaft den Weg zu ebnen und zugleich einer alten Tradition den gebührenden Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Innerhalb von 15 Jahren erreichte die Rebfläche 130.000 Hektar. Leider ist das Weinland Bulgarien nicht von der Reblaus verschont geblieben. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts schrumpften die Weinberge durch die europaweite Reblaus-Plage bis auf 45.000 Hektar.
Dieser Tatsache ist es auch zu verdanken, dass neben traditionellen alten bulgarischen Rebsorten wie Pamid, Mavrud, Melnik, Gamza, Misket, Dimjat, Tamianka und viele andere auch französische Rebsorten eine Verbreitung fanden, welche auf reblaus-resistenten Unterlagen eingeführt wurden und unter den günstigen Anbaubedingungen Bulgariens gut gedeihen konnten.

14. Februar 2008

Beitrag zum Fest des Trifon Saresan - Tag der Winzer in Bulgarien

Neben dem Valentinstag feiert man in Bulgarien am 14. Februar jedes Jahres das Frühlings-und Winzerfest TRIFON SARESAN – den Anfang des Rebenschnittes!

Am 14. Februar wird in Bulgarien der “TRIFON ZAREZAN”, der Tag des Winzers, gefeiert. Die meisten Feste zu Ehren des Weins in Bulgarien haben einen thrakischen Ursprung und wurden ursprünglich zu Ehren von Dionysos, dem Gott der Fruchtbarkeit und des Weines, gefeiert.

Die zweifelhafte Heiligkeit von Trifon Saresan !

Es ist ein Unterschied zwischen dem Hl. Thryphon, dem kanonisierten Heiligen, der am 1. Februar verehrt wird, dem Tag vor der Darstellung Christi im Tempel, und jenem Trifon, den das bulgarische Volk als den Heiligen und Beschützer der Winzer feiert.
Der Heilige Märtyrer Thryphon lebte im 3. Jh.n.Ch. im antiken Phygrien (heute Türkei). Tryphon war der Legende nach einfacher Gänsehirt, aber begabt mit der Gnade, alle Krankheiten zu heilen. Als er 17 Jahre alt war, konnte er auch die Tochter des Imperators Gordianus II. (238-244) kurieren. Unter Kaiser Decius (249-251) wurde Tryphon als Christ denunziert, schwer gefoltert und enthauptet. Nirgendwo in einer Überlieferung wird er jedoch mit Wein oder Weinbergen in Verbindung gebracht.
Der heilige Winzerpatron Trifon Saresan aus der bulgarischen Volksmythologie ist ganz offenkundig eine andere Person mit einer vollkommen anderen Lebensgeschichte, aber auch mit einem anderen Gemüt. In den folkloristischen Vorstellungen ist Trifon Saresan ganz und gar kein Märtyrer, sondern viel mehr ein schlechtgelaunter Mann, der sich selbst verkrüppelt. Der Legende zufolge machte sich die Mutter Gottes am 40. Tage nach der Geburt Jesu mit dem Christkind auf dem Weg zum Tempel zum reinigenden Gebet. Auf dem Wege dahin begegnete sie Trifon, der seinerseits gerade unterwegs zum Weinberg war, um seine Rebstöcke zu beschneiden. Sie grüßte ihn freundlich, wohingegen er, anstatt den Gruß höflich zu erwidern, sich über sie lustig machte mit den Worten du Mutter eines Bastards. Die Mutter Jesu setzte wortlos ihren Weg fort. Ein wenig später traf sie die Frau des Trifon und sagte ihr, sie möge sich beeilen, denn Trifon hätte sich die Nase abgeschnitten. Als die Frau den Weinberg erreichte, und ihren Mann in bester Gesundheit vorfand, erzählte sie ihm von ihrer Begegnung mit der Mutter Gottes.
Darauf erwiderte Trifon gereizt:
Ich bin nicht betrunken und schneide mir die Nase ab. Ich schneide so, und nicht so !
Und in diesem Augenblick schnitt er sich in der Tat die Nase ab !
Die Ethnologen gruben in den semantischen und strukturellen Schichten dieser Legende und entdeckten, dass unter dem christlichen Heiligengewand die hämisch grinsenden Gesichter mythischer Gestalten aus der thrakischen Antike hervorlugen.
Die Zwiespältigkeit der Rolle Trifons findet sich auch in der bulgarischen Ikonenmalerei wieder. Einige Ikonenmaler des 19. Jahrhunderts lassen Trifon, obwohl sie den kanonisierten Kirchenheiligen malten, ein Winzermesser halten, oder sie stellten ihn oftmals auch mit entstellter Nase dar. Der wahre Grund dafür, weshalb christliche Heilige auf solche Weise in heidnische Sujets der Antike verwickelt wurden, liegt offenbar im Wein. Im bulgarischen Fest des Weinbaus am Tag des Trifon Saresan klingen die rauschenden Dionysos-Mysterien nach, die einst an der Schwelle des Frühlings in unserem Landen gefeiert wurden.
Quelle: Bulgarisches Weinbuch, Yassen Borislavov, Trud Verlag Sofia 2006

Wie feiert man das Fest in Bulgarien ?
Die Weinbauern ziehen morgens hinaus, um mit dem Beschneiden der Rebstöcke zu beginnen. Früh am Morgen des 14. Februar macht die Gastgeberin ein Ritual-Brot. Sie bereitet auch Huhn vor, das mit Reis gefüllt wird. In eine neue wollene Tasche werden Brot, das Huhn und der Wein gestellt. So gehen die Männer zu den Weinbergen. Wie jedes Fest wird es mit gutem Essen und Trinken, mit Musik, Tanz und Gesang begangen. An reich gedeckten Tafeln im Freien werden Lieder gesungen und rituelle Tänze aufgeführt, mit denen eine reiche Weinlese heraufbeschworen werden soll. Dies bezweckt auch das symbolische Begießen der Reben mit den besten Weinen aus früheren Jahren.
Besonders in Nordbulgarien wird auch ein “Winzerkönig” gewählt und mit einem Kranz aus Rebzweigen gekrönt. Ihm wurde früher ein Jahr lang besondere Ehre zuteil, da man glaubte, dass von seinem persönlichen Wohlergehen bis zur Wahl seines Nachfolgers die Güte der herbstlichen Weinlese abhing. Außerdem verwahrte er für diesen Zeitraum die Ikone des Heiligen Trifon, des Schutzheiligen der Winzer.

Das Fest Trifon Saresan markiert auch die Trennlinie zwischen Winter und Frühling, einen Übergang von der stillen Winterzeit zu den belebenden Kräften der nächsten Jahreszeit.

Wir wünschen einen schönen VALENTINSTAG und ein schönes TRIFON SARESAN-Fest als eine alte Tradition der bulgarischen Winzer, die im jährlichen Zyklus der Natur den Triumph von Vitalität und Fruchtbarkeit darstellt !

Und mit einem Gläschen guten bulgarischen Weins – sehr zum Wohl und bleiben Sie gesund !

Gebrüder Bossev