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News

20. JANUAR 2017

Frostschäden in den Weinbergen Bulgariens

Bereits bei Temperaturen von -16 − -18°C sind Frostschäden an der Rebe möglich. Abhängig sind diese sowohl von der Dauer der gesamten Frostperiode als auch von den Temperaturen im Tages- und Nacht-Zyklus. In einigen Weingebieten Bulgariens sind die Nachttemperaturen derzeit in den Bereich von -18 − -20°C gefallen. Das Ausmaß der daraus resultierenden Frostschäden ist momentan noch nicht abzusehen.

Die frostempfindlichsten Reben sind die der Tafeltrauben, dies betrifft in Bulgarien besonders die Sorten Bolgar und Kardinal. Gefährdet sind auch die Weinsorten, deren Knospen bereits bei -16°C Frostschäden erleiden können, also Dimiat, Tamianka und Melnik.

Ab -17 − -18°C werden die Weinsorten Pamid, Roter Misket und, teilweise, Mavrud in Mitleidenschaft gezogen.

Die frostresistentesten Sorten sind Cabernet Sauvignon, Riesling, Chardonnay und Pinot Noir, welche erst bei Temperaturen ab -20 − -21°C Schäden erleiden können. Ab -24°C wird das Gewebe der einjährigen Fruchtruten beeinträchtigt. Im Bereich von -30 − -32°C ist das Leben der ganzen Rebe gefährdet.

Besonders anfällig für Frostschäden sind jeweils die jungen Reben, insbesondere die 2- und 3-jährigen Pflanzen, aber auch die Reben, welche im letzten Jahr viel Frucht getragen haben oder stärker von Krankheiten belastet waren. Frostschäden können durchaus die Erträge mindern.

Die Winzer, welche im letzten Jahr die Böden gut bearbeitet, ausreichend Kalium in den Boden gebracht und auch sonst gut für die Gesundheit der Reben gesorgt haben, können auf geringere Frostschäden hoffen!


08. FEBRUAR 2016

TRIFON ZAREZAN

Am 14. Februar wird in Bulgarien der „TRIFON ZAREZAN“ (oder „SARESAN“ bedeutet „der Geschnittene“), der Tag des Winzers, gefeiert. Feste zu Ehren des Weins in Bulgarien haben einen thrakischen Ursprung und wurden ursprünglich zu Ehren von Dionysos, dem Gottes der Fruchtbarkeit und des Weines, gefeiert. Am 14. Februar findet auch der erste wenn auch symbolische Rebenschnitt des Jahres statt.

Es ist ein Unterschied zwischen dem Hl. Thryphon (achten Sie auf die unterschiedliche Schreibweise des Namens), dem kanonisierten Heiligen, der am 1. Februar verehrt wird, dem Tag vor der Darstellung Christi im Tempel und jenem Trifon, den das bulgarische Volk als den Heiligen und Beschützer der Winzer feiert.

Der Heilige Märtyrer Thryphon lebte im 3. Jh.n.Ch. im antiken Phygrien (heute Türkei). Tryphon war der Legende nach einfacher Gänsehirt, aber begabt mit der Gnade, alle Krankheiten zu heilen. Als er 17 Jahre alt war, konnte er auch die Tochter des byzantinischen Imperators Gordianus II. (238-244) kurieren. Unter Kaiser Decius (249-251) wurde Tryphon als Christ denunziert, schwer gefoltert und enthauptet. Nirgendwo in einer Überlieferung wird er mit Wein oder Weinberg in Verbindung gebracht. Der heilige Winzerpatron Trifon Zarezan aus der bulgarischen Volksmythologie ist ganz offenkundig eine andere Person mit einer ganz anderen Lebensgeschichte, aber auch mit einem anderen Gemüt. In der folkloristischen Vorstellungen ist Trifon Zaresan ganz und gar nicht ein Märtyrer, sondern viel mehr ein schlechtgelaunter Mann, der sich selbst mit dem Winzermesser verkrüppelt.

Die Zwiespältigkeit der Rolle Trifons findet sich auch in der bulgarischen Ikonenmalerei wieder. Einige Ikonenmaler des19. Jahrhunderts lassen Trifon, obwohl sie den kanonisierten Kirchenheiligen malten, ein Winzermesser halten, oder sie stellten ihn oftmals auch mit entstellter Nase dar. Der wahre Grund dafür, weshalb christliche Heilige auf solche Weise in heidnische Sujets der Antike verwickelt werden, liegt offenbar im Wein. Im bulgarischen Fest des Weinbaus am Tag des Trifon Zarezan klingen die rauschenden Dionysos-Mysterien nach, die einst an der Schwelle des Frühlings in unseren Landen gefeiert wurden.

Die Weinbauern ziehen nach einem feierlichem Gottesdienst zu den Weinbergen hinaus, um mit dem Be-schneiden der Rebstöcke zu beginnen. Früh am Morgen am 14 Februar macht die Gastgeberin ein Ritual-Brot. Sie bereitet auch Huhn vor, das mit Reis gefüllt wird. In einer neuen wollenen Tasche werden Brot, das Huhn und der Wein gestellt. So gehen die Männer zu den Weinbergen. Wie jedes Fest wird es mit gutem Essen und Trinken, mit Musik, Tanz und Gesang begangen. An reich gedeckten Tafeln im Freien werden Lieder gesungen und rituelle Tänze aufgeführt, mit denen eine reiche Weinlese heraufbeschworen werden soll. Dies bezweckt auch das symbolische Begießen der Reben mit den besten Weinen aus früheren Jahren, manchenorts auch mit heiligem Wasser und Holzasche. Vor der Ikone des heiligen Trifon werden Gebete für eine gute Ernte geflüstert. Die Beschneidung der Reben war in Bulgarien Männersache, die Frauen haben das festliche Essen vorbereitet.

Besonders in Nordbulgarien wird auch ein „Winzerkönig“ gewählt und mit einem Kranz aus den geschnittenen Rebenzweigen gekrönt. Ihm wurde früher ein Jahr lang besondere Ehre zuteil, da man glaubte, daß von seinem persönlichen Wohlergehen bis zur Wahl seines Nachfolgers die Güte der herbstlichen Weinlese abhing. Außer-dem verwahrte er für diesen Zeitraum die Ikone des Heiligen Trifon, des Schutzheiligen der Winzer. Jeder Winzer will vom Winzerkönig gesegnet werden und etwas von seinem Wein nach Hause bringen. Je mehr Wein an diesem Tag fließt, desto großzügiger sollte die nächste Weinlese sein!

Das Fest Trifon Zarezan markiert auch die Trennlinie zwischen Winter und Frühling, einen Übergang von der stillen Winterzeit zu den belebenden Kräften der nächsten Jahreszeit. Es ist ein sehr positives Fest, das auch dem Triumph von Vitalität und Fruchtbarkeit im jährlichen Zyklus der Natur gewidmet ist!
Quellen: Bulgarisches Weinbuch, Yassen Borislavov, Trud Verlag, Sofia 2006, Beitrag Radio Bulgarien, 01. Februar 2008, Roumyana Panayotova


06. NOVEMBER 2013

Weinlese 2013 - Bulgarien und die Welt

In den vergangenen Tagen ist die Weinlese in Bulgarien zu Ende gegangen. Der Weinjahrgang im Süden Bulgarien wird als ein Jahrhunderten-Jahrgang gelobt. Ertragsmengen von 800 bis 1000 kg/Hektar sind keine Seltenheit, so dass auch neben der Qualität auch die Quantität stimmen wird. Mit kleinen Ausnahmen wird auch der Norden Bulgariens einen erfolgreichen Weinjahrgang 2013 haben. Die Trauben zeichnen sich mit einer hohen mikrobiologischen Reinheit, technologischer Reife, weiche und ausgereifte Polyphenole (Antioxydanten in den Trauben!). Die Trauben sind sehr gesund, mit optimaler Größe für die jeweilige Rebsorte, aromareich und farbintensiv. Die Qualität der Trauben ist die wichtigste Voraussetzung für hohe Qualitäten bei Weinen und Bränden. Die Agentur für Wein und Weinreben berichtete von einer besseren Ernte 2013 in qualitativer und quantitativer Hinsicht, als im Jahr zuvor (191 923 Tonnen Weintrauben gesamt für 2012). Für 2013 erwarten die Fachleute, dass die Marke von 195 000 Tonnen geknackt wird! Die Sorten Traminer, Rubin, Mavrud, Merlot, Syrah und Pinot Noir, sowie die Sorten mit Kleinstrebfläche im Land, gehören zu den teuersten Sorten im Jahr 2013. Ein neuer Trend in Bulgarien ist der Anbau von völlig neue für das Land Rebsorten wie Viognie, Petit Verdot, Ancellotta, Marselan, Malbec, Grenache u.s.w.
Uns erreichen die Nachrichten, dass Spanien und Italien auch einen guten, dagegen Frankreich, Österreich und Griechenland (Ausnahme der Norden Griechenlands) einen schlechteren und in Deutschland eher durchwachsenen Jahrgang 2013 verzeichnen. Trotz der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen dieses Jahres sind die deutschen Erzeuger mit den Qualitäten des Weinjahrgangs 2013 bisher zufrieden. Kurz vor dem Abschluss der Traubenlese zeichnet sich jedoch ab, dass die Gesamterntemenge etwas unter den Erwartungen liegen wird. So ist laut Weininstitut die Erntemenge im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zurückgegangen, im Vergleich zum langjährigen Mittel sogar um 19 Prozent. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) mitteilt, werden nach den neuesten Schätzungen bundesweit 8,4 Millionen Hektoliter Weinmost geerntet. Damit läge der Ertrag sieben Prozent unter dem des Vorjahres und neun Prozent unter dem zehnjährigen Mittel von 9,26 Millionen Hektolitern. Allerdings fallen die Ernteergebnisse rebsorten- und witterungsbedingt in den einzelnen Anbaugebieten unterschiedlich aus. Die Weinproduktion in der Welt ist in den vergangenen Jahren rapide gesunken. Besonders in den großen Weinländern wie Italien, Frankreich und Spanien wurden die Rebflächen verringert. Ein nicht so erheblicher Zuwachs in Ländern wie Australien, Chile und USA kann das nicht ausgleichen. Gleichzeitig steigt der Verbrauch kontinuierlich. In den bevölkerungsreichen Ländern Indien und China nimmt der Weinkonsum enorm zu. Der neueste Trend in den USA zeigt auch ein Konsumhoch beim Wein. Eine neue Studie der Investmentbank Morgan Stanley spricht von einer ?Verknappung?. Das geänderte Verhältnis von Angebot und Nachfrage könnte nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu einer Steigerung der Weinpreise führen. Auch der Ökonom James Thornton von der Eastern Michigan University schreibt von der Erwartung einer Steigerung der Weinpreise, besonders im Bereich der höheren Qualitäten.


16. NOVEMBER 2012

Fachauskunft ueber die Rebsorte Mavrud

Botanische und Agrobiologische Fachauskunft über die Rebsorte Mavrud für interessierte Winzer und Winemaker ( initiiert durch viele Anfragen!)

Bezeichnung, Synonyme und allgemeine Charakteristik

Mavrud (Bulgarien), Mavroudi (Nordgriechenland), Kauschanskij (Moldau), Katschivella, Kacievela (Burgas, Bulgarien). Diese Sorte kann man auch in Rumänien und in Albanien antreffen. Die spätreifende Sorte mit dickschaligen und kleinbeerigen Trauben erbringt einen tiefroten, tanninhaltigen und alkoholreichen Rotwein mit Pflaumenaroma, der Alterungspotential besitzt. Sehr gute Weinqualitäten werden nach 1 bis 2 jähriger Reife im Eichenfass erzielt. Mavrud-Weine werden meist rebsortenrein ausgebaut. Verschnitte mit den Rebsorten Cabernet Sauvignon, Syrah und Merlot sind keine Seltenheit. Der Mavrud gehört zu den besten einheimischen Sorten Bulgariens.
Herkunft und Ausbreitung: Mavrud ist eine wertvolle authochtone, einheimische Rebsorte, die seit uralten Zeiten auf dem Territorium des heutigen Bulgariens angebaut wird. Diese Sorte gehört der geographischen Schwarzmeergruppe von Rebsorten (Proles Pontica) an. Das Ausbreitungsgebiet in Bulgarien ist Südbulgarien (südlich der Balkangebirgskette), von Pazardjik im Westen bis nach Stara Zagora und Nova Zagora im Osten. Die Hochburgen der Sorte sind die nordöstlichen flachen Ausläufer der Rhodopen im sogenannten ?Rhodopenkragen? mit den Standorten Assenovgrad, Kuklen, Brestnik, Markovo, Brestovitza, Zlatovrah bis nach Parvomay. Weitere Herkunftsorte sind Peruschtitza, die Plovdiver Region und Elenovo bei Nova Zagora. Im Jahre 1981 betrug der Anteil der Mavrud Rebfläche lediglich 1,2% der Gesamtrebfläche Bulgariens (1000 bis 1200 ha). Die Wendezeit hat zu einer weiteren Reduzierung der Fläche geführt. Erst ab Jahr 1999 und 2000 hat die Fläche durch Neuanpflanzung zugenommen und nimmt heute 3 bis 4 % der Rebfläche des Landes ein.

Botanische Beschreibung

Der Trieb der Rebe hat eine stark behaarte Spitze und baumwollweiße junge Blätter mit einem karminroten Saum. Das Holz zeichnet sich durch spezifische kastanienbraune Farbe mit violetten Nuancen aus. Die Blattspreite ist groß und fünflappig. Die Blattoberseite zeichnet sich durch schwache, netzförmige Runzeln und spinnwebartigen Haare aus, die Blattunterseite ist stark und kräftig. Die oberen Seitenbuchten sind tief, vorwiegend geschlossen, mit breiten elliptischen Öffnungen. Die unteren Seitenbuchten sind mitteltief, offen, lyraförmig mit schmaler Öffnung. Die Stielbucht ist offen, tief, breit und gewölbt. Die Blattadern sind im Bereich des Blattgrundes weinrot gefärbt. Im Herbst färben sie sich kupferrot. Die Traube ist groß flügelartig (meist zwei Seitenflügel), sehr breit am Stiel, halbdicht bis locker. Der Stiel ist dick, lang, zäh und an der Stielbasis verholzt. Das durchschnittliche Traubengewicht beträgt 300 bis 400 Gramm. Die Beere ist klein (15,2/15 mm), kugelförmig und saftig, mit einem angenehmen süß-sauren herben Geschmack. Die Schale ist dick, zäh, blauschwarz gefärbt, mit einem dichten Wachsbezug.

Agrobiologische Charakteristik

Die Rebsorte Mavrud ist eine spätreife Sorte. In der Region um Plovdiv reifen die Trauben Anfang Oktober. Die Sorte ist mittelstark bis stark wachsend und zeichnet sich durch eine hohe Fruchtbarkeit aus. Die hohen Erträge sind unter anderem auf das relativ hohe durchschnittliche Gewicht der Trauben zurückzuführen. Oft werden Trauben durch Hilfsstützen gestützt, um ein Wegbrechen der Routen zu vermeiden. In Bulgarien werden die Erträge bei den höheren Prädikaten nicht nur durch den Schnitt von ganzen Trauben (grüne Lese bzw. Ausdünnung genannt), sondern auch durch das teilweise Schneiden von Teilen der Traube z.B. den Seitenflügeln. Die Sorte Mavrud ist relativ resistent gegen die Graufäule, jedoch frostempfindlich. Wegen der Frostempfindlichkeit der Sorte wird die Stammerziehung ausschließlich für Regionen mit Wintertemperaturen höher als minus 16 – 17 Grad Celsius empfohlen. In diesen Fällen ist der Schnitt auf Zapfen (2 bis 3 Augen) und kurze Halbbögen (4 bis 6 Augen) anzuwenden. In den Gebieten mit Wintertemperaturen niedriger als minus 16 bis minus 17 Grad Celsius (wo Anhäufeln unumgänglich ist) empfiehlt sich die niedrige Gyuot-Erziehung mit Schnitt auf zwei Ruten mit je 12 Augen und drei Zapfen mit je 2 Augen (Prof.Radulov, 1964).
Die besten Unterlagen für die Sorte Mavrud im Süden Bulgariens sind: Berlandieri x Riparia SO4, Berlandieri x Riparia Kober 5BB, Chasselas (Gutedel) x Berlandieri 41B. Am besten geeignete Böden für Mavrud sind tiefe Diluvialböden mit mittelschwerer Sand und Lehmzusammensetzung, wie auch typische und ausgelaugte Kaneelwaldböden (zimtfarbene Böden). Zu empfehlen sind die starken lockeren Böden mit pH-Werten von 6,5 bis7,5, die 30, 40% Lehm, bis 40% Gesteinsmasse, 2 bis 3 % Humus, über 100 mg/g verfügbares Eisen und ausreichende Reserven an Phosphor und Kalium (4,0 bis 8,9 mg/g) enthalten. Die Böden sollten über ausreichend hohe Feuchtigkeitsreserven verfügen. Die Mavrud-Weinberge sind in den wärmeren Regionen Südbulgariens mit einer Temperatursumme in der Vegetationsperiode (technische Kennziffer im Weinbau) von ca. 4000 Grad Celcius anzulegen.

Technologische Charakteristik

Mavrud ist die wertvollste einheimische Rebsorte. Sie ergibt vorzügliche dunkelrote Weine bester Qualität, die bei Reife und Alterung einen hervorragenden harmonischen Geschmack enthalten.
Klone und Neuzüchtungen des Mavruds: Prof. Kondarev aus Bulgarien ist es gelungen, die wertvollen Klone Mvrud Nr.1 und Mavrud Nr.2 zu selektieren. Sie zeichnen sich durch große Trauben (300 bis 400 g) und größeren Beeren aus, wobei Mavrud Nr. 2 eine stärkere Wuchsleistung und eine höhere Trockenbeständigkeit aufweist.
Die besten Neuzüchtungen Bulgariens mit der Teilnahme des Mavruds sind:
BOUQUET ist eine Kreuzung MAVRUD x PINOT NOIR, EVMOLPIA ist eine Kreuzung der Sorten MAVRUD und MERLOT, TRAKIJSKA SLAVA (der Ruhm Thrakiens) ist die Kreuzung von MAVRUD und PAMID.

Quellen: "Rebsorten, die neue Perspektiven für Bulgarien eröffnen" 2005, Prof. Lubomir Radulov, Prof.Dr.Penka Abrasheva.


01. MÄRZ 2010

Baba Marta ist da - das Tragen der Martenizi ist ein alter Brauch in Bulgarien

Wochen vor dem 1. Marz sind überall in Läden aber auch auf mobilen Ständen auf den Strassen in Städten und Dörfern Bulgariens die kleinen rot-weißen Anhänger (Martinizi) – Püppchen, Quasten oder Armbänder aus Stoff, Wolle oder Baumwollfäden zu bemerken. Die Bulgaren tragen die Martenizi auf ihrer Linken Seite des Körpers, am Hals oder am Handgelenk. Sie werden ebenfalls gern im ganzen Freundeskreis per Briefchen oder Postkarten verschickt. Dahinter steckt der alte Glauben, dass die rot-weißen Martenizi Baba Marta – der Personifizierung des Monats März in Gestalt einer alten unfreundlichen und launischen Oma – milde stimmen. Baba Marta soll ja nicht zornig werden und wieder die Kälte über das Land bringen. Die rot-weißen Glücksbringer trägt man solange, bis man ein erstes Frühlingszeichen – einen Storch, eine Schwalbe oder einen blühenden Baum – gesehen hat. Dann hängt man die Martiniza in einen Baum (in manchen Gegenden stellt man die unter einem großen Stein) und wünscht sich die Verwirklichung eines Traums.

Das Tragen von Martenizi oder das Fest der Baba Marta (Oma März) am 1. März ist ein recht alter bulgarischer Brauch, der aus der Zeit vor dem 9. Jahrhundert stamt. Das Beschenken mit den so genannten Martenizi zum 1. März und der auf den 1. März folgenden Wochen, ist einer der beliebtesten Bräuche, wenn nicht sogar der beliebteste Brauch, in Bulgarien. Besonders bekannt unter den Martenizi sind die Figuren von Pijo und Penda.
Durch das Tragen der rot-weißen Martinizi hofft man, dass der warme Frühling bald ins Land kommen wird. Außerdem haben die rot-weißen Fäden die Funktion eines Talismans gegen die bösen Kräfte. Alle Erwachsenen und Kinder beschenken sich gegenseitig mit Martinizi und schmücken sich damit. Rot steht im Volksglauben für Gesundheit und Kraft, Weiß für ein langes Leben.

“Baba Marta” ist eine volkstümliche, ausschmückende Umschreibung für den Monat März (deutsche Analogie: der Lenz oder die Figur von Frau Holle, die für Schnee sorgt). “Baba” heißt auf bulgarisch Oma. Auch die Begrüßung Tschestita Baba Marta (auf Deutsch: Glückliche Oma Marta) ist typisch für den Anfang März in Bulgarien.

Früher hat man auch Haustiere mit Martenizi geschmückt, damit sie gesund bleiben.
Als eher ironische Anlehnung an diesen Brauch ist die Redewendung entstanden:
Eine Schwalbe macht keinen Frühling !


23. FEBRUAR 2010

Kukeri - tradionelles Fest der Bulgaren

Ab dem 23 Februar werden die Kukeri-Tage in Bulgarien gefeiert. Das ist eins der buntesten und interessantesten Feste im bulgarischen traditionellen Kalender. Mit dem kommenden Frühling, wenn die Zeit für die Saat kommt, trifft man die Kukeri in Bulgarien.
An den Kukeri-Tagen ziehen tanzend maskierte Männer durch die Straßen der Städte und Dörfer des Landes. Die Masken der Kukeri sind schauderhaft. Diese Masken und Hütte (Gugli) werden meist aus Leder hergestellt und mit Fellen oder Federn, mit bunten Perlen und Wollfäden geschmückt. Jeder Kuker trägt Glocken am Körper, so dass wenn die Kukeri tanzen und springen einen ohrenbetäubenden Lärm entsteht. Die Kukeri gingen in alle Häuser des Ortes und brachten somit Gesundheit und Wohlergehen der Familie ! Die alten Bulgaren glaubten, dass dieses Ritual vor Tollwut schützt, dass alle bösen Geister abgeschreckt und für immer vertrieben werden, so dass die Ernte im Jahr üppig und gesund ausfällt.
Bilder des Festes und mehr über dieses Fest erfahren Sie unter: http://www.public-republic.de/kukeri-teil-des-lebendigen-erbes-bulgariens.php


03. MÄRZ 2009

Zum Nationalfeiertag Bulgariens - der Tag der Befreiung von der türkischen Herrschaft - Der Wein und eine neu gewonnene Freiheit!

Die Tradition der Weinherstellung blieb während der osmanischen Herrschaft auch dank den vielzähligen Klöstern erhalten, die das alte Kulturerbe hüteten und vor dem Zugriff der Unterdrücker bewahrten. So wurde eine alte Weinkultur noch aus der Zeit der alten Thraker von den strengen Normen des Islams bewahrt. Während der fast 500-jährigen osmanischen Unterdrückung wurden von den Türken in Bulgarien verstärkt Tafeltrauben angebaut, da der Koran den Moslems den Weingenuss verbietet.

Nach der Befreiung von den osmanischen Herrschaft (1877-1878) begann eine Blütezeit für die bulgarische Weinherstellung, die Rebfläche erreichte schnell 50.000 Hektar. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass noch bevor die Verfassung von Turnovo (die erste bulgarische Verfassung nach fast 500 Jahren türkische Herrschaft) abgestimmt wurde, im Jahre 1879 im soeben befreiten bulgarischen Staat schon ein Weingesetz erlassen wurde. Dies ist ein imposantes Zeugnis nicht nur für die Bedeutung von Weinbau und Weinerzeugung für Bulgarien, sondern auch für das starke Verlangen der Bulgaren, möglichst schnell der Wiederherstellung einer ungehinderten Weinwirtschaft den Weg zu ebnen und zugleich einer alten Tradition den gebührenden Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Innerhalb von 15 Jahren erreichte die Rebfläche 130.000 Hektar. Leider ist das Weinland Bulgarien nicht von der Reblaus verschont geblieben. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts schrumpften die Weinberge durch die europaweite Reblaus-Plage bis auf 45.000 Hektar.
Dieser Tatsache ist es auch zu verdanken, dass neben traditionellen alten bulgarischen Rebsorten wie Pamid, Mavrud, Melnik, Gamza, Misket, Dimjat, Tamianka und viele andere auch französische Rebsorten eine Verbreitung fanden, welche auf reblaus-resistenten Unterlagen eingeführt wurden und unter den günstigen Anbaubedingungen Bulgariens gut gedeihen konnten.